„Zehn Jahre hat es gedauert - seit dem 18. August 2000 fahren die Züge der Preßnitztalbahn regulär bis nach Steinbach.“
Dieser Satz ist der Broschüre „12 Dampfloks am Wasserhaus“ entnommen, die anlässlich der Festwoche im Jahr 2000 erschienen ist. 10 Jahre – gerechnet vom Start der Aufbauarbeiten an der Museumsbahn in Jöhstadt im Jahr 1990. Einige Meilensteine dazwischen waren das Befahren erster neu gelegter Gleismeter in Jöhstadt (1992), das Erreichen des Bahnhofs Schmalzgrube (1995) und der Aufbau des Bahnhofs Steinbach. Herausragend dort das noch original erhaltene markante Wasserhaus!
Und das ist auch schon wieder 25 Jahre her und damit Anlass genug, die 25. Wiederkehr dieser Ereignisses mit einem Jubiläumswochenende am 16./17. August 2025 auf der Museumsbahn zu feiern, deren einen Endpunkt – neben Jöhstadt – bis heute Steinbach darstellt. Und der Wettergott hatte diesmal eine Einsehen…
Auf der Steinbacher Ladestraße war ein Festgelände aufgebaut, bei dem ein bewirtschaftetes Festzelt mit einem abwechslungsreichen Musikprogramm ebenso wenig fehlte wie eine Fahrzeugausstellung mit zwei Güterzügen. „Meppel“ (99 4511) – seit 2019 nicht mehr betriebsfähig – präsentierte sich in einem optisch hervorragenden Zustand mit Schmalspurgüterwagen am Güterboden in Fahrtrichtung Jöhstadt. Ein GGw diente sowohl als Ausstellungsstück wie auch als Lager für die Gastronomieversorgung.
Die erst seit dem Frühjahr in Jöhstadt beheimatete 99 4701 – ein weiterer C-Kuppler – stand äußerlich ebenfalls bestens aufgearbeitet mit einem Rollwagenzug an der Laderampe. So, als warte das Lokpersonal nur auf das Abfahrsignal in des Zugführers, um den Zug nach Wolkenstein zu befördern. …
Der historische Kraftomnibus IFA H6B/L aus dem Jahr 1959 verkehrte an beiden Tagen entlang der „alten Preßnitztalbahn“ zwischen Steinbach und Wolkenstein. Dem Busverkehr gelang, was auf der der Schiene bekanntlich derzeit nicht möglich ist – die Verbindung zum Bahnhof Wolkenstein. Fahrgäste konnten so dorthin mit Zügen der Erzgebirgsbahn und weiter per Bus zur Museumsbahn gelangen.
Auf den Gleisen zwischen Steinbach und Jöhstadt herrschte Hochbetrieb. Die Züge der Schmalspurbahn fuhren an beiden Tagen im Ein-Stunden-Takt. Zum Einsatz kamen zwei der vier vereinseigenen Lokomotiven der sächsischen Gattung IV K (99 1542-2 und 99 1568-7), dazu die VI K 99 1715-4. Insgesamt 18 (Dampf-)Zugpaare waren zwischen Jöhstadt und Steinbach in unterschiedlichen Zusammenstellungen unterwegs. In Steinbach erfolgte fast bei jedem Zug ein Lokwechsel, so war dort während des Tages immer eine Lok unter Dampf anzutreffen.
Das Angebot, auf dem Führerstand dieser Maschine ein Stück mitzufahren, nahmen zahlreiche Besucher an.
Am Sonnabend ließen es Ralf Temme, Olaf Buhler und Tino Eisenkolb im sehr gut gefüllten Steinbacher Güterboden nostalgisch werden. Die drei zeigten zahlreiche Aufnahmen aus der Zeit der „alten“ Preßnitztalbahn und deren Wiederaufbau durch die IG Preßnitztalbahn, ergänzt durch Bilder verschiedener Fotografen, deren Motive insbesondere den Gleisbau der Jahre 1999 und 2000 zeigten.
Am Sonntag, 17. August, fand parallel die schon zum 15. Mal ausgetragene „Erzgebirgische LiederTour“ statt, die von Satzung über tschechisches Gebiet bis ins Preßnitztal nach Steinbach führte. Den Wanderern boten sich an vielen Stellen verschiedene kulinarische und musikalische Darbietungen. Von Schmalzgrube bis nach Steinbach verlief die Wanderroute entlang der Museumsbahn. Sehr viele Wanderer verbanden die „LiederTour“ mit einer Zugfahrt auf genau diesem Streckenabschnitt. In Erwartung hoher Fahrgastzahlen waren am Sonntag Verstärkerzüge zwischen Schmalzgrube und Steinbach eingesetzt, befördert von den beiden derzeit betriebsfähigen Diesellokomotiven des Vereins (V10C 199 009-2 und Ns4 199 007-6). Eine berechtigte Maßnahme, denn wir konnten mehr als 1 500 Fahrgäste an dem Jubiläumswochenende begrüßen, ein Signal für die Attraktivität unserer Preßnitztalbahn.
Jürgen Herold
Dieser Artikel wurde im „Preß-Kurier-Spezial“ Ausgabe 36, Oktober 2025 veröffentlicht.